Horizonte 3, Detail | 2020 | Altpapier, Baumwollzellstoff, Japantusche | 75x72x3 cm; siehe Papier, Werkreihe Strata

In den Arbeiten Horizonte verbindet Kirstin Rabe zwei Methoden, mit denen sie sich in den vergangenen Jahren beschäftigt hat – die Zeichnung mit Japantusche und die Entwicklung von Bildobjekten aus handgeschöpftem Papier, das sie in ihrem Atelier herstellt. Inspiriert von der Werkreihe Da Casoli di Greppolungo (2018) und den Waldgeschichten (2016-2018) entstand eine faszinierende neue Gestaltung, die den spielerischen und gleichzeitig kenntnisreichen Umgang mit Material und Farbe sowie den Möglichkeiten ihrer Veränderung während des künstlerischen Prozesses fortsetzt. Auf der bewegten Oberfläche der Raum-Landschaft führen die dunkler nuancierten Farbtöne auf dem Grund des Bildes den Blick in die Tiefe, um sich, schrittweise heller werdend, gleichzeitig nach oben hin auszubreiten. Aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, scheint die Struktur der hinter- und übereinander gestaffelten, horizontal angelegten Papierebenen Wandlungen zu vollziehen. Wie Krustationen von Eis erheben sich die gebrochenen, wellenförmigen Linien, ohne dabei jemals in Erstarrung zu verharren. Die Vielschichtigkeit des weichen, anpassungsfähigen Materials lässt sie in  konstanter Bewegung erscheinen. Die Künstlerin hat eine wandelbare Landschaft geschaffen, deren Anziehungskraft der Betrachter sofort zu spüren vermag.  Auguste Desnoyers, 2019

 

 

 

Da Casoli di Greppolungo | 2018 | Japantusche auf Papier | je ca. 6x17 cm; siehe Malerei, Werkreihe Tusche

 

"Sanft geschwungene Hügel in fließender Bewegung erstrecken sich vor dem Auge des Betrachters. Ein Gefühl der Ruhe stellt sich ein. Die kleinformatigen Zeichnungen der von Wanderungen in den Apuanischen Alpen inspirierten Werkreihe Da Casoli di Greppolungo wachsen in der aufmerksamen Studie über den Bildausschnitt hinaus. Ein „von – bis“ scheint es nicht zu geben. Durch die angeschnittenen Bergrücken entsteht ein Eindruck von Unendlichkeit. Die in drei und vier Reihen hintereinander gestaffelten Wölbungen folgen dem sich im Moment entfaltenden Rhythmus der Feder der Künstlerin. Ihre ruhige, geübte Hand entlockt der monochrom angelegten Japantusche feinste Farbnuancen. Von dunkler zu heller werdenden Streifen wachsen die bewegten Rundungen in die Bildtiefe hinein. In jedem Beispiel erwecken die Zeichnungen von Kirstin Rabe neues Erstaunen."  

Auguste Desnoyers, 2019

Druckversion Druckversion | Sitemap
© 2020 Kirstin Rabe